
Das Weltgeschehen ist dramatisch. Und es fällt schwer, nicht daran zu verzweifeln. Über Zuversicht als demokratische Ressource.
Es sieht düster aus im Moment. Zumindest aus der Perspektive der Beobachter:innen. Auf der Weltbühne im Scheinwerferlicht stehen einige wenige machtreiche Männer. Sie behandeln Vielfalt als Störfaktor, winken die Klimakrise mit dreister Lässigkeit weg und sprechen über Deportationen, als handle es sich um eine administrative Kleinigkeit. Wie soll man nun den Weltschmerz dämpfen, gar hoffnungsvoll ins neue Jahr blicken?
Die vielen aufeinanderfolgenden Krisen haben eine kollektive Müdigkeit hinterlassen. Der deutsche Soziologe Steffen Mau spricht von „Veränderungserschöpfung“ – einem Zustand, in dem neue Herausforderungen eher Überforderung auslösen als Bereitschaft zur Auseinandersetzung. Diese Erschöpfung darf aber nicht zur politischen Lähmung führen. Denn die pure Zerstörungswut der Trumps und Putins dieser Welt kann als Teil einer politischen Strategie angesehen werden. Das soll zermürben. Und erst wenn wir tatsächlich glauben, Veränderung sei ohnehin vergeblich und Engagement nur eine rührende Geste für Idealist:innen, wird es wirklich finster.
Autoritäre Versuchung. Das soll hier keine Neujahrsansprache sein, kein Jonglieren mit Worthülsen, sondern ein Plädoyer für ein Gefühl, das uns angesichts der Weltlage nicht abhandenkommen darf: die Zuversicht. Nicht um unsere individuelle Komfortzone zu optimieren, sondern aus politischen Gründen. Das betont auch die österreichische Politikwissenschaftlerin Tamara Ehs. In einem Interview mit dem feministischen Magazin an.schläge sagt sie: „Die Zuversicht auf eine positive Zukunft ist eine wichtige demokratische Ressource. Wenn sie fehlt, findet die autoritäre Versuchung Raum.“
Zuversicht ist kein Wellnessgefühl, sondern ein Auftrag. Ähnlich sieht das die Klimaforscherin Helga Kromp-Kolb, die gegenüber der Tageszeitung Der Standard sagt: „Zuversicht bedeutet nicht einfach: ‚Es wird schon‘. Sondern: Wenn wir uns anstrengen, kann Veränderung gelingen.“ Wer also darauf wartet, dass jemand kommt und uns rettet, ist nicht zuversichtlich, sondern hofft oder betet. Zuversicht aber will Beteiligung.
Momentum nutzen. Demokratie ist nicht nur ein Regierungssystem, sondern eine Lebensform, die täglich eingeübt werden muss: Im Ausverhandeln von Differenzen – zuhause, in der Schule, am Arbeitsplatz. Und ja, es sind auch die beiläufigen Begegnungen, in denen unterschiedliche Perspektiven aufeinandertreffen, die eine demokratische Kultur lebendig halten. Im besten Fall. Sie entstehen im unmittelbaren Umfeld: in der Nachbar:innenschaft, in der Buchhandlung ums Eck. Neulich sagte meine Buchhändlerin zu mir, dass wir uns nicht mehr auf frühere Gewissheiten verlassen könnten. Das sei vorbei. Sie meinte: „Wir müssen jetzt das Momentum nutzen, unsere Kräfte bündeln, laut werden und uns miteinander vernetzen.“ Dass autokratische Tendenzen prodemokratische Gegenreaktionen auslösen können – und damit Chancen für eine Stärkung der Demokratie bieten, davon ist auch Ehs überzeugt. Voraussetzung: eine wachsame Gesellschaft, die aktiv eingreift. Dafür braucht es Zukunftserzählungen, die inspirieren, statt Angst zu schüren. Genau solche Erzählungen wollen wir 2026 im Südwind-Magazin weiter sichtbar machen und stärken.
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